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Botanischer Garten
Annette Höggemeier
 
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Botanischer Garten » Monatsporträts » September 2001
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Gewöhnliche Tollkirsche - Atropa belladonna

 

 

 

Die Tollkirsche gehört neben Alraune und Bilsenkraut (Revier "Inhaltsstoffe") zu den verbreitetsten Hexenkräutern des Mittelalters. Alle drei sind Nachtschattengewächse wie auch Tomate und Kartoffel. Man kannte die magischen Kräfte von Hexensalben und -tinkturen, die die Menschen in Rausch- und Lustzustände versetzen konnten. Nach zu hohen Dosierungen kam es allerdings zu Todesfällen. Träufelte man Pflanzensaft ins Auge, weiteten sich die Pupillen, was dem weiblichen Schönheitsideal der Zeit entsprach.

 

Im September/Oktober reifen die auffallenden Früchte. Es sind rot gefärbte, abgerundet vierkantige Kapseln, die aus 4 Fächern bestehen. Diese Fächer springen auf und lassen die Samen erkennen, die eine Zeit lang mit einem Nabelstrang zwischen Samenanlage und Fruchtblatt (Funiculus) befestigt bleiben. Die weißlichen Samen sind von einem orangefarbenem, fleischigen Samenmantel (Arillus) eingehüllt. Die leuchtenden Farben und die gut sichtbaren Samen locken Vögel an, die für die Verbreitung sorgen.
Alle Pflanzenteile sind giftig; 30 bis 40 Samen sollen für einen Menschen tödlich sein

Beide Wirkungen haben sich in dem botanischen Namen niedergeschlagen: belladonna (lat.) = schöne Frau; Atropos (griech. Schicksalsgöttin) = durchschneidet den Lebensfaden.

Die Wirkung beruht auf Alkaloiden (L-Hyoscyamin, Atropin und Scopolamin), die in allen Teilen vorhanden sind, in höchster Konzentration in den Blättern. Zur Vergiftung führen meist die glänzend schwarzen Früchte: bei Kindern gelten 3 - 4, bei Erwachsenen 10 - 12 als tödlich.

Heutige pharmazeutische Belladonna-Präparate werden aus Blättern und/oder Wurzeln bereitet. Sie werden als Krampflöser in den Bereichen Magen/ Darm und Atemwege eingesetzt, außerdem als Beruhigungsmittel bei psycho-vegetativen Störungen.

 

     

Die Tollkirsche ist eine schattenertragende Art lichter Laubwälder und Kahlschäge, die vor allem auf kalkigen Böden im südlichen und mittleren Deutschland verbreitet ist. Sie ist eine ca. 1 m hoch werdende Staude mit tiefer Pfahlwurzel. Ab Juni/Juli erscheinen die Blüten: außen violettbraune, innen gelbliche Glockenblumen mit 5 Staubblättern und 1 oberständigen Fruchtknoten.

Nach der Bestäubung vergrößert sich mit dem Reifen der Frucht der Kelch, der die reife Beere sternförmig umgibt. Für die Verbreitung sorgen Drosseln u.a. Vögel, für die die Früchte nicht giftig sind.

 
 
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Letzte Änderung: 23.01.2003 | Ansprechpartner: Annette Höggemeier