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Gewöhnliche Tollkirsche
- Atropa belladonna
Die Tollkirsche gehört neben Alraune und Bilsenkraut
(Revier "Inhaltsstoffe") zu den verbreitetsten Hexenkräutern
des Mittelalters. Alle drei sind Nachtschattengewächse
wie auch Tomate und Kartoffel. Man kannte die magischen Kräfte
von Hexensalben und -tinkturen, die die Menschen in Rausch-
und Lustzustände versetzen konnten. Nach zu hohen Dosierungen
kam es allerdings zu Todesfällen. Träufelte man
Pflanzensaft ins Auge, weiteten sich die Pupillen, was dem
weiblichen Schönheitsideal der Zeit entsprach.
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Im September/Oktober reifen die auffallenden Früchte.
Es sind rot gefärbte, abgerundet vierkantige Kapseln,
die aus 4 Fächern bestehen. Diese Fächer springen
auf und lassen die Samen erkennen, die eine Zeit lang
mit einem Nabelstrang zwischen Samenanlage und Fruchtblatt
(Funiculus) befestigt bleiben. Die weißlichen
Samen sind von einem orangefarbenem, fleischigen Samenmantel
(Arillus) eingehüllt. Die leuchtenden Farben und
die gut sichtbaren Samen locken Vögel an, die für
die Verbreitung sorgen.
Alle Pflanzenteile sind giftig; 30 bis 40 Samen sollen
für einen Menschen tödlich sein
Beide Wirkungen haben sich in dem botanischen Namen
niedergeschlagen: belladonna (lat.) = schöne Frau;
Atropos (griech. Schicksalsgöttin) = durchschneidet
den Lebensfaden.
Die Wirkung beruht auf Alkaloiden (L-Hyoscyamin,
Atropin und Scopolamin), die in allen Teilen vorhanden
sind, in höchster Konzentration in den Blättern.
Zur Vergiftung führen meist die glänzend schwarzen
Früchte: bei Kindern gelten 3 - 4, bei Erwachsenen
10 - 12 als tödlich.
Heutige pharmazeutische Belladonna-Präparate werden
aus Blättern und/oder Wurzeln bereitet. Sie werden
als Krampflöser in den Bereichen Magen/ Darm und
Atemwege eingesetzt, außerdem als Beruhigungsmittel
bei psycho-vegetativen Störungen.
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Die Tollkirsche ist eine schattenertragende Art lichter Laubwälder
und Kahlschäge, die vor allem auf kalkigen Böden
im südlichen und mittleren Deutschland verbreitet ist.
Sie ist eine ca. 1 m hoch werdende Staude mit tiefer Pfahlwurzel.
Ab Juni/Juli erscheinen die Blüten: außen violettbraune,
innen gelbliche Glockenblumen mit 5 Staubblättern und
1 oberständigen Fruchtknoten.
Nach der Bestäubung vergrößert sich mit dem
Reifen der Frucht der Kelch, der die reife Beere sternförmig
umgibt. Für die Verbreitung sorgen Drosseln u.a. Vögel,
für die die Früchte nicht giftig sind.
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