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Botanischer Garten
Annette Höggemeier
 
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Botanischer Garten » Monatsporträts » August 2005
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Victoria cruziana - Riesenseerose

 

Foto

Die Gattung Victoria kommt in 2 Arten im tropischen S-Amerika vor: V. regia im Amazonasbereich und V. cruciana im südlich davon gelegenen Paraguay. Beide beeindrucken durch ihre imposante Größe: die runden tellerartigen Schwimmblätter können 1,50 bis 2 m im Durchmesser erreichen. Die einzigartigen hochgebogenen Blattränder verhindern zwar, dass sich Blattspreiten übereinander schieben, würden aber das Regenwasser sammeln, wenn es nicht durch eine Randkerbe und 0,1-0,2 mm kleine Öffnungen (auf der Blattoberfläche gut zu erkennen, 'Stomatoden'), die durch das ganze Blatt gehen, abfließen könnte.

Stomatoden auf der Blattoberseite

Die Stabilität und Tragfähigkeit der Blätter ist enorm: ein Kind kann darauf sitzen, ohne unterzugehen. Ursache dafür ist der Blattbau, der Vorbild war für die moderne Skelettbau-Architektur seit dem 19. Jh. Erstmals wurden (Gewächs-)Häuser und Hallen mit sichtbaren tragenden Eisenteilen gebaut, die die tragenden Steinmauern ersetzen. Sog. Victoria-Häuser, in denen man diese Seerosen kultivierte, die ihren Namen zu Ehren der englischen Königin Victoria (1819-1901) bekam, waren Vorläufer des Londoner Kristallpalasts, der von dem ursprünglichen Gärtner und späteren Architekten Paxton für die Weltausstellung 1851 entworfen wurde. Heute noch werden Wasserpflanzenhäuser in Botanischen Gärten 'Viktoria-Haus' genannt.

Die Blüten gehören zu den größten, die man kennt. Sie werden 25-35 cm groß, duften und sind geöffnet vom späten Nachmittag bis zum nächsten Morgen. Angelockte Insekten werden in der geschlossenen Blüte eingesperrt und erst am nächsten Abend wieder frei gelassen, dann aber beladen mit Pollen. Sie besuchen die nächste duftende Blüte, wo sie die Bestäubung vollziehen. Bestäubte Blüten sinken ins Wasser. Hier reifen die Früchte, aus denen die erbsengroßen Samen ausfallen.



Schwimmblätter von unten betrachtet: Die Blattnerven treten deutlich hervor. 2-5 cm breit, bis 6 cm hoch, mit Querstreben untereinander verbunden. Auffallend stark bestachelt als Schutz gegen Tierfraß

 

In Kultur werden die Riesenseerosen alljährlich neu angezogen. Daher muss man bestäubte Blüten mit Gaze o.ä. sichern und die Samen bis zur Aussaat im kommenden Jahr (Febr./März bei 24 °C) so aufbewahren, dass sie keinesfalls austrocknen.

Unser neues Viktoria-Becken wird im Spätherbst demontiert, so dass das Gewächshaus wie gewohnt zur Überwinterung frostempfindlicher Kübelpflanzen genutzt werden kann. Im Mai nächsten Jahres wird das Wasserbecken hier wieder aufgestellt.

 

Wuchsort im Botanischen Garten: J3 im Gewächshaus

 

 
 
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Letzte Änderung: 03.08.2005 | Ansprechpartnerin: Annette Höggemeier