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Victoria
cruziana
- Riesenseerose
| Die Gattung Victoria kommt in 2 Arten im tropischen
S-Amerika vor: V. regia im Amazonasbereich und V. cruciana
im südlich davon gelegenen Paraguay. Beide beeindrucken
durch ihre imposante Größe: die runden tellerartigen
Schwimmblätter können 1,50 bis 2 m im Durchmesser
erreichen. Die einzigartigen hochgebogenen Blattränder
verhindern zwar, dass sich Blattspreiten übereinander
schieben, würden aber das Regenwasser sammeln, wenn
es nicht durch eine Randkerbe und 0,1-0,2 mm kleine Öffnungen
(auf der Blattoberfläche gut zu erkennen, 'Stomatoden'),
die durch das ganze Blatt gehen, abfließen könnte.
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Stomatoden auf der Blattoberseite
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Die Stabilität und Tragfähigkeit der Blätter
ist enorm: ein Kind kann darauf sitzen, ohne unterzugehen.
Ursache dafür ist der Blattbau, der Vorbild war
für die moderne Skelettbau-Architektur seit dem
19. Jh. Erstmals wurden (Gewächs-)Häuser und
Hallen mit sichtbaren tragenden Eisenteilen gebaut,
die die tragenden Steinmauern ersetzen. Sog. Victoria-Häuser,
in denen man diese Seerosen kultivierte, die ihren Namen
zu Ehren der englischen Königin Victoria (1819-1901)
bekam, waren Vorläufer des Londoner Kristallpalasts,
der von dem ursprünglichen Gärtner und späteren
Architekten Paxton für die Weltausstellung 1851
entworfen wurde. Heute noch werden Wasserpflanzenhäuser
in Botanischen Gärten 'Viktoria-Haus' genannt.
Die Blüten gehören zu den größten,
die man kennt. Sie werden 25-35 cm groß, duften
und sind geöffnet vom späten Nachmittag bis
zum nächsten Morgen. Angelockte Insekten werden
in der geschlossenen Blüte eingesperrt und erst
am nächsten Abend wieder frei gelassen, dann aber
beladen mit Pollen. Sie besuchen die nächste duftende
Blüte, wo sie die Bestäubung vollziehen. Bestäubte
Blüten sinken ins Wasser. Hier reifen die Früchte,
aus denen die erbsengroßen Samen ausfallen.
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Schwimmblätter von unten betrachtet: Die Blattnerven
treten deutlich hervor. 2-5 cm breit, bis 6 cm hoch,
mit Querstreben untereinander verbunden. Auffallend
stark bestachelt als Schutz gegen Tierfraß
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In Kultur werden die Riesenseerosen alljährlich neu
angezogen. Daher muss man bestäubte Blüten mit Gaze
o.ä. sichern und die Samen bis zur Aussaat im kommenden
Jahr (Febr./März bei 24 °C) so aufbewahren, dass
sie keinesfalls austrocknen.
Unser neues Viktoria-Becken wird im Spätherbst demontiert,
so dass das Gewächshaus wie gewohnt zur Überwinterung
frostempfindlicher Kübelpflanzen genutzt werden kann.
Im Mai nächsten Jahres wird das Wasserbecken hier wieder
aufgestellt.
Wuchsort im Botanischen Garten: J3 im Gewächshaus
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