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Botanischer Garten
Dr. Armin Jagel
 
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Botanischer Garten » Gymnospermen » Sequoiadendron giganteum

 

 

Sequoiadendron giganteum (Lindl.) J. Buchholz - Riesen-Mammutbaum

 

Baum der Rekorde ?

Foto

 

Morphologie
Immergrüner, hoher Baum, Stamm säulenförmig, an der Basis auffällig verdickt, wie dies für mehrere Arten der Taxodiaceae typisch ist. In seiner Heimat im Durchschnitt 90 m hoch, bis 50 m hoch astfrei. Krone pyramidal. Äste meist etwas abwärts gerichtet, mit ansteigenden Spitzen. Jungtriebe blaugrün, dann rotbraun, Borke schwammig, tiefrissig, an starken Stämmen bis 50 cm dick, leicht mit dem Finger eindrückbar, in feinen Schuppen ablösend, hell rotbraun. Die dicke Borke dient in der Heimat als Brandschutz.
Blätter schuppenförmig, spiralig in drei Längsreihen stehend, basal angedrückt, mit leicht abstehenden Spitzen (bei der vegetativ ähnlichen Cryptomeria japonica stehen die Nadeln in fünf Reihen und die Spitzen der Blätter sind sichelförmig nach innen gekrümmt), pfriemlich-lanzettlich, spitz, 3-6 mm lang, an üppigen Ästen auch bis 12 mm, etwa 4 Jahre dauernd.
Einhäusig, weibl. Zapfen mit ca. 30 Schuppen in einem drehrunden Dorn endend, mit 3-12 oder mehr aufrechten Samenanlagen in 2 Reihen; Zapfen ellipsoid, im 2. Jahr reifend, holzig, viele Jahre am Baum bleibend, Schuppen keilförmig mit einer Vertiefung und einem kleinen Stachel im Zentrum, an Zweigen endständig, 5-8 cm lang und 3-5 cm dick, im 1. Jahr aufrecht stehend, im 2. Jahr hängend. Samen mit 2 dünnen, breiten Flügeln.

Name
Die erste wissenschaftliche Benennung 1853, Wellingtonia gigantea, erfolgte durch den Engländer LINDLEY ("So hoch wie WELLINGTON [der 1815 Napoleon bei Waterloo besiegt hat] seine Zeitgenossen überragt, überragt dieser kalifornische Baum die ihn umgebenen Wälder"). Darauf gab es ein wütendes Echo in Amerika, weil dieser amerikanische Baum somit den Namen eines englischen Nationalhelden tragen sollte. Daher benannte ihn der Amerikaner C. F. WINSLOW 1854 nach dem ersten amerikanischen Präsidenten Washingtonia californica; daneben existieren eine Fülle weiterer Namen wie Washingtonia americana, Washingtonia gigantea, Gigantabies wellingtonia, Taxodium washingtonianum, Steinhauera gigantea, Americus gigantea; 1892 stellte DESCAISNE den Riesen-Mammutbaum in die gleiche Gattung wie Sequoia sempervirens (Küsten-Mammutbaum, Red Wood) und benannte ihn Sequoia gigantea. 1939 wird er schließlich durch BUCHHOLZ wiederum in eine eigene Gattung Sequoiadendron gestellt und heißt seitdem Sequoiadendron giganteum. Der alte Streit zwischen den Gattungsnamen Wellingtonia und Washingtonia wurde letzlich durch die Prioritätsregel der botanischen Nomenklatur entschieden, da Wellingtonia gültig schon innerhalb der Sabinaceae beschrieben wurde, Washingtonia als Gattung innerhalb der Arecaceae.

Vorkommen
Gebirgsbaum in einer Höhenlage zwischen 1500 und 2500 m in Mittelkalifornien an den Hängen der Sierra Nevada, an feuchten Standorten mit hohen Niederschlägen und langer Schneebedeckung.

Kultur
Es ist nicht genau bekannt, wann der Riesen-Mammutbaum in Europa eingeführt wurde. Über die Entdeckung des Baumes wird berichtet, dass er 1841 im "Calveras-Wald", eines der nördlichsten natürlichen Vorkommen von dem Engländer JOHN BIDWILL gefunden wurde, der sie "Vater der Waldes" nannte. Die ersten Samen gelangten 1852/1853 nach Großbritannien. Bei angeblich noch früheren Einführungen dürfte es sich um S. sempervirens handeln, die bereits 1795 entdeckt worden war.
Der Riesen-Mammutbaum ist der frostresistenteste unter den Mammutbäumen und ist im Ruhrgebiet häufig in Schlossparks und gelegentlich auch auf Friedhöfen anzutreffen.

Rekorde
Dem Riesen-Mammutbaum werden aufgrund seiner beeindruckenden Erscheinung verschiedenste Rekorde nachgesagt. Seit dem vorigen Jahrhundert galten Exemplare als die ältesten lebenden Bäume der Erde, sie werden auf 3000-3500 Jahre geschätzt. Mittlerweile ist aber bekannt, dass die weitaus weniger spektakuläre Grannen-Kiefer (Pinus aristata bzw. P. longaeva) wesentlich älter wird (bis 4700 Jahre).
Auch den Rang als höchster Baum (der höchste gemessene, mittlerweile nicht mehr existierende Baum soll nach KRÜSSMANN 135 m hoch gewesen sein) hat ihm der in Australien beheimatete Eucalyptus amygdalina mit einer Höhe von 155 m abgelaufen. Im Schnitt wird der Riesen-Mammutbaum etwa 90 m hoch, was noch unterhalb der durchschnittlichen Höhe des Küsten-Mammutbaumes (Sequoia sempervirens) von etwa 100 m liegt.
Schließlich hat der Riesen-Mammutbaum den Ruf, der dickste Baum der Erde sein, es werden Werte von bis zu 12 m im Durchmesser (!) an der Basis angegeben. Bekannt sind die Bilder einer Straße, die durch den Stamm eines Riesen-Mammutbaumes führt. Doch auch hier steht zur Konkurrenz ein Exemplar von Taxodium mucronatum: Ein Baum dieser Art im südwestlichen Mexico wird als dickster Baum der Welt mit einem Umfang von 60-62 m (also fast 20m im Durchmesser) betrachtet. Allerdings wird vermutet, dass dieser Stamm aus verschiedenen Bäumen zusammengewachsen ist.

Wuchsort im BG Bochum
Im Garten wachsen mehrere, etwa 20-jährige Exemplare: am Nordufer des südlichen Teichs ("Tertiärteich", L5), im östlichen Alpinum (H5) sowie im Bereich der "Vegetation des westlichen Nord-Amerikas" (H8, H9) südlich des Chinesischen Gartens.

Literatur:
DOHMEN, H., SPELSBERG, G. & BUTZKE, H. 1984: Wurzelbildung des Mammutbaums - Sequoiadendron giganteum (LINDL.) BUCHH. - auf zwei unterschiedlichen Standorten am Niederrhein. – Mitt. Deutsch. Dendrol. Ges. 75: 105-113.
KAMMEYER, H. F. 1960: Mammutbäume. – Wittenberg: Ziemsen, 100 S.
MARTIN, I. 1984: Die Wiedereinführung des Mammutbaumes (Sequoiadendron giganteum (LINDL.) BUCHH.) in die deutsche Forstwirtschaft. – Mitt. Deutsch. Dendrol. Ges. 75: 57-75.
PODHORSKY, J. 1940: Die Sequoien Kaliforniens; ihre Bedeutung in ihrer Heimat und für Mitteleuropa. – Mitt. Deutsch. Dendrol. Ges. 53: 1-29.
RICHTER, W. 1978: Bekannte Gehölze in der Sierra Nevada. – Gartenpraxis 3/1978: 139-141.
SCHWARZ, O. & WEIDE, H. 1962: Systematische Revision der Gattung Sequoia ENDL. – Feddes Rep. 65: 159-193.

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Letzte Änderung: 03.02.2003 | Ansprechpartner: Armin Jagel