Platycladus
orientalis (L.) Franco - Morgenländischer
Lebensbaum
(= Biota orientalis (L.) Endl. = Thuja orientalis
L.)
Name
"Platycladus" bedeutet "Flachspross" und
bezieht sich auf die abgeflachten Sprosse (Im engeren botanische
Sinn ist das Wort hier missverständlich, denn als Flachsprosse
werden nur blattartig abgeflachte Langtriebe bezeichnet, wie
sie z. B. bei der Kakteen-Gattung Opuntia auftreten),
"orientalis" weist auf die ostasiatische Heimat
der Art hin. Der frühere Name "Biota" bedeutet
"Leben". Darauf beziehens sich auch die volkstümlichen
Namen "Arbor Vitae" und "Tree of Life",
also Lebensbaum. In unterschiedlichen Kulturen wird dieser
Name allerdings für verschiedene immergrüne Bäume
verwandt.
Morphologie
Kleiner, bei uns 5-10 m hoher Baum (in der Heimat und in klimatisch
günstigerem Klima bis zu 20 m hoch), oft vom Grunde an
mehrstämmig und stark verzweigt mit breit kegelförmiger
oder unregelmäßiger Krone. Äste aufstrebend,
Zweige in senkrechter Ebene flach ausgebreitet, beiderseits
gleichfarbig frisch- oder gelbgrün. Blätter
gerieben nur schwach harzartig duftend (nicht stark
aromatisch wie bei Thuja). Weibliche Zapfen bei der
Blüte waagerecht, später senkrecht aufrecht. Vor
der Reife blaugrün bereift, bei Reife dick holzig,
braun mit weit spreizenden Klappen. Aufgebaut aus drei oder
vier kreuzgegenständigen Schuppenpaaren (weniger als
bei Thuja), von denen das oberste Paar steril ist und an der
Spitze einen typischen, hornartig zurückgebogenen
Fortsatz trägt. Auch die anderen Schuppen besitzen
einen solchen Fortsatz. Samen meist sechs, eiförmig,
ungeflügelt (im Unterschied zu Thuja). Die aus
Samen gezogenen Exemplare fruchten bereits nach 6-8 Jahren,
und damit sehr viel früher, als z. T. in der Literatur
angegeben wird.
Vorkommen
Die Art wird schon sehr lange im asiatischen Raum kultiviert,
weswegen das ursprüngliche Areal etwas unsicher ist.
Es wird angenommen dass sie ursprünglich in China, Japan,
der Mandschurei und Korea vorkommt, aber auch ein Areal bis
Taiwan und Nord-Iran wird diskutiert.
Kultur
Der Morgenländische Lebensbaum gelangte vermutlich 1690
zum ersten Mal nach Europa und wird heute in vielen verschiedenen
Formen kultiviert. Sie wird in verschiedenen Kultivaren angeboten
und hier und da auf Friedhöfen und in Parks gepflanzt.
Systematik
Die Art wurde von LINNÉ als Thuja orientalis (1753)
beschrieben, von ENDLICHER 1847 in eine eigene Gattung Biota
gestellt und später wieder in Thuja einbezogen.
Heute betrachtet man sie besonders wegen der abweichenden
Zapfenmorphologie, der ungeflügelten Samen und der Stellung
des Laubes erneut als eigene, monotypische Gattung, die entsprechend
den botanischen Nomenklaturregeln Platycladus heißen
muss. Dieser Name wurde bereits 1842 gültig veröffentlicht,
also fünf Jahre früher als Biota, und hat
damit Priorität. Nach neueren Untersuchungen ist Art
eng verwandt mit Microbiota
decussata (vgl. JAGEL & STÜTZEL 2001).
Wuchsort im Garten
Zwei Exemplare am westlichen stlichen Ende der unteren Demonstrationsfläche
der "Inhaltsstoffe" (H7). Die Pflanzen blühen
bereits im Februar (etwa ein Monat früher als Thuja),
tragen reichlich männliche Blüten, aber sehr viel
weniger weibliche.
Literatur
JAGEL,
A. & STÜTZEL, TH. 2001: Untersuchungen zur Morphologie
und Morphogenese der Samenzapfen von Platycladus orientalis
(L.) Franco (= Thuja orientalis L.) und Microbiota
decussata Kom. (Cupressaceae). - Bot. Jahrb. Syst. 123(3):
377-404.
MORGAN, C. S. 1999: Platycladus orientalis. Curtiss
Botanical Magazine 16(3): 185-192.
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