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Botanischer Garten
Dr. Armin Jagel
 
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Botanischer Garten » Gymnospermen » Platycladus orientalis

 

 

Platycladus orientalis (L.) Franco - Morgenländischer Lebensbaum
(= Biota orientalis (L.) Endl. = Thuja orientalis L.)

 

Foto

 

Name
"Platycladus" bedeutet "Flachspross" und bezieht sich auf die abgeflachten Sprosse (Im engeren botanische Sinn ist das Wort hier missverständlich, denn als Flachsprosse werden nur blattartig abgeflachte Langtriebe bezeichnet, wie sie z. B. bei der Kakteen-Gattung Opuntia auftreten), "orientalis" weist auf die ostasiatische Heimat der Art hin. Der frühere Name "Biota" bedeutet "Leben". Darauf beziehens sich auch die volkstümlichen Namen "Arbor Vitae" und "Tree of Life", also Lebensbaum. In unterschiedlichen Kulturen wird dieser Name allerdings für verschiedene immergrüne Bäume verwandt.

Morphologie
Kleiner, bei uns 5-10 m hoher Baum (in der Heimat und in klimatisch günstigerem Klima bis zu 20 m hoch), oft vom Grunde an mehrstämmig und stark verzweigt mit breit kegelförmiger oder unregelmäßiger Krone. Äste aufstrebend, Zweige in senkrechter Ebene flach ausgebreitet, beiderseits gleichfarbig frisch- oder gelbgrün. Blätter gerieben nur schwach harzartig duftend (nicht stark aromatisch wie bei Thuja). Weibliche Zapfen bei der Blüte waagerecht, später senkrecht aufrecht. Vor der Reife blaugrün bereift, bei Reife dick holzig, braun mit weit spreizenden Klappen. Aufgebaut aus drei oder vier kreuzgegenständigen Schuppenpaaren (weniger als bei Thuja), von denen das oberste Paar steril ist und an der Spitze einen typischen, hornartig zurückgebogenen Fortsatz trägt. Auch die anderen Schuppen besitzen einen solchen Fortsatz. Samen meist sechs, eiförmig, ungeflügelt (im Unterschied zu Thuja). Die aus Samen gezogenen Exemplare fruchten bereits nach 6-8 Jahren, und damit sehr viel früher, als z. T. in der Literatur angegeben wird.

Vorkommen
Die Art wird schon sehr lange im asiatischen Raum kultiviert, weswegen das ursprüngliche Areal etwas unsicher ist. Es wird angenommen dass sie ursprünglich in China, Japan, der Mandschurei und Korea vorkommt, aber auch ein Areal bis Taiwan und Nord-Iran wird diskutiert.

Kultur
Der Morgenländische Lebensbaum gelangte vermutlich 1690 zum ersten Mal nach Europa und wird heute in vielen verschiedenen Formen kultiviert. Sie wird in verschiedenen Kultivaren angeboten und hier und da auf Friedhöfen und in Parks gepflanzt.

Systematik
Die Art wurde von LINNÉ als Thuja orientalis (1753) beschrieben, von ENDLICHER 1847 in eine eigene Gattung Biota gestellt und später wieder in Thuja einbezogen. Heute betrachtet man sie besonders wegen der abweichenden Zapfenmorphologie, der ungeflügelten Samen und der Stellung des Laubes erneut als eigene, monotypische Gattung, die entsprechend den botanischen Nomenklaturregeln Platycladus heißen muss. Dieser Name wurde bereits 1842 gültig veröffentlicht, also fünf Jahre früher als Biota, und hat damit Priorität. Nach neueren Untersuchungen ist Art eng verwandt mit Microbiota decussata (vgl. JAGEL & STÜTZEL 2001).

Wuchsort im Garten
Zwei Exemplare am westlichen stlichen Ende der unteren Demonstrationsfläche der "Inhaltsstoffe" (H7). Die Pflanzen blühen bereits im Februar (etwa ein Monat früher als Thuja), tragen reichlich männliche Blüten, aber sehr viel weniger weibliche.

Literatur
JAGEL, A. & STÜTZEL, TH. 2001: Untersuchungen zur Morphologie und Morphogenese der Samenzapfen von Platycladus orientalis (L.) Franco (= Thuja orientalis L.) und Microbiota decussata Kom. (Cupressaceae). - Bot. Jahrb. Syst. 123(3): 377-404.
MORGAN, C. S. 1999: Platycladus orientalis. Curtis’s Botanical Magazine 16(3): 185-192.

 
 
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Letzte Änderung: 05.08.2003 | Ansprechpartner: Armin Jagel