Ruhr-Universität Bochum zum Inhalt Startseite der RUB pix
Startseite Uni Überblick Uni A-Z Uni Suche Uni Kontakt Uni  

pix
 
 
Botanischer Garten
Dr. Armin Jagel
 
Homepage der Fakultät, LS Spezielle Botanik, AG Geobotanik, Botanischer Garten, Gymnospermen im Botanischen Garten     
pix
Botanischer Garten » Gymnospermen » Microbiota decussata

 

 

Microbiota decussata Kom. - Sibirischer Zwerglebensbaum, Teppichthuja

 

Foto

 

Morphologie
Niederliegender Zwergstrauch von kaum über 30 cm Höhe, bis 1,5 m breit. Triebspitzen mehr oder weniger überhängend. Zweiglein vierkantig, kurz, abgeflacht. Blätter schuppenförmig klein, dreieckig, mit deutlich sichtbarer Drüse auf den Flächenblättern. Nach Aussaat sind die Blätter zunächst mehrere Jahre nadelförmig. Das Laub adulter Pflanzen ist im Sommer hellgrün, im Winter kupferfarben gefärbt. Zapfen ledrig bis verholzt, kugelig, an den Enden kurzer Zweige, mit nur einem ungeflügeltem Samen.

Entdeckungsgeschichte
Die Art wurde erst 1921 von Schischkin entdeckt und 1923 von Komarov als Art innerhalb einer neuen Gattung Microbiota beschrieben.

Vorkommen
Südost-Sibirien, oberhalb der Waldgrenze auf Granit und Schieferfelsen. Das Areal erstreckt sich über die Provinz Primoskaja (östl. Wladiwostok), über das Sichote-Alinja-Gebirge (zw. Wladiwostok und Chabarowsk im Gebiet des Olga-Flusses), über das Stromgebiet des Sutschana-Flusses (bei Tschernigorka) und das Gebiet am Oberlauf der Flüsse Anjuja und Chora.

Kultur
Der Zwerglebensbaum wird noch nicht lange in Botanischen Gärten kultiviert. Erst 1967 wurde er von Bärtels RTELS im Arboretum Novy Dvur (Tschechoslowakei) "entdeckt", durch Stecklinge vermehrt und in Westeuropa eingeführt. Da es zu dieser Zeit schwierig war, Samen zu bekommen, nimmt Bärtels (1978) an, dass alle Pflanzen in Mitteleuropa von dieser einen Pflanze abstammen. Heute dürfte diese Annahme nicht mehr zutreffen. Die Art ist völlig winterhart, trockenheitsverträglich und bisher frei von Krankheiten. Daher wird sie mittlerweile in Baumschulen und Gärtnereien als dichter Bodendecker angeboten, sodass sie auch vielfach auf Friedhöfen zu finden ist. Eine Besonderheit ist die kupferfarbene Herbstfärbung der Art, die allerdings gelegenlich den Eindruck vermittelt, dass die Pflanze vertrocknet ist, die Schuppenblättchen werden aber im Frühjahr wieder grün und fallen nicht ab. Mit wenigen Ausnahmen handelt es sich bei den im Ruhrgebiet untersuchten Exemplaren um weibliche Pflanzen, die zwar meist reichlich blühen, aber aufgrund fehlender männlicher Blüten keine Zapfen bilden.

Sonstiges
Vielfach wird angegeben, dass der Zwerglebensbaum eine zweihäusige (diözische) Art sei, so beispielsweise in der Neubeschreibung der Art von Komarov (1923). Dies entspricht aber nicht den Gegebenheiten, wie bereits Zamjatin 1963 feststellte. So treten z. B. in den Botanischen Gärten Jena, Kiel, Düsseldorf und im Palmengarten Frankfurt einhäusige (monözische) Pflanzen auf, die auch Zapfen ausgebilden. Aufgrund der geringen Größe werden sie vielleicht auch häufiger nur übersehen. Nachdem 1999 in einem Gartencenter ein monözisches entdeckt wurde, befindet sich nun ein solches Exemplar auch im Botanischen Garten Bochum, Zapfen wurden jedoch noch nicht ausgebildet. Die systematische Verwandtschaft von Microbiota war lange unklar, die monotypische Gattung (nur eine Art) wurde entweder in die Nähe der Wacholder (Juniperus) oder in die Nähe der Lebensbäume (Thuja s. l.), und hier besonders des Morgenländischen Lebensbaumes (Platycladus orientalis) gestellt. Letzter Ansicht untermauern auch Jagel & Stützel (2001).

Wuchsort im BG Bochum
Zwei Exemplare im nordöstlichen Alpinum (H5) (davon das westliche diözisch) sowie zwei weitere weibliche im Chinesischen Garten (H8).

Literatur
Bärtels, A. 1978: Ein neues interessantes Gartengehölz: Microbiota decussata. Gartenpraxis 7/1978: 352-353.
Komarov, V. L. 1923: De Gymnospermis nonnullis asiaticis. Notulae syst. Herb. Horti Bot. Petropolitani 4: 177-181 (russisch).
Zamjatin, B. 1963: Observationes nonnulae de Microbiota decussata Kom. Notulae syst. Herb. Hort. Bot. Petropolitani 22: 43-50 (russisch).
Jagel, A. & Stützel, Th. 2001: Untersuchungen zur Morphologie und Morphogenese der Samenzapfen von Platycladus orientalis (L.) Franco (= Thuja orientalis L.) und Microbiota decussata Kom. (Cupressaceae). - Bot. Jahrb. Syst. 123(3): 377-404.

 
 
Zum Seitenanfang  Seitenanfang | Diese Seite drucken
Letzte Änderung: 04.03.2003 | Ansprechpartner: Armin Jagel