Metasequoia
glyptostroboides HU & W. C.
CHENG - Urwelt-Mammutbaum, Chinesischer Rotholzbaum
Name
Der vom Erstbeschreiber MIKI, gewählte Zusatz "meta"
vor die bereits bekannte Gattung Sequoia (zu Erklärung
dieses Namens s. dort) wird als "verändert",
"verwandt" oder "ähnlich" verstanden.
Eine Erklärung für diesen Namen gibt MIKI selbst
nicht. Über das Epitheton gab es einige Überlegungen,
zunächst zog man "sinica" (= chinesisch) in
Betracht oder "viva". Dann entschied man sich für
"glyptostroboides", also ähnlich Glyptostrobus,der
zweiten Laub abwerfenden Konifere Chinas, mit der der Urwelt-Mammutbaum
zunächst verwechselt worden war.
Die deutsche Bezeichnung als Urwelt-Mammutbaum ist unglücklich,
da der Baum mit einer Höhe von 35-50 m und 2 m Stammdurchmesser
nicht annähernd den Werten nahekommt, die eng verwandten
Mammutbäume Kaliforniens (Sequoiadendron
giganteum, Sequoia
sempervirens) erreichen. Daher gab es Bestrebungen,
den Namen "Chinesisches Rotholz" zu etablieren,
in Anlehnung an das den Mammutbäumen ähnlich gefärbte
Holz. In ihrer Heimat wird die Art "shui-hsa" genannt,
was übersetzt etwa mit Wasser-Lärche oder Wasser-Fichte
übersetzt werden kann.
Morphologie
Laub abwerfender, sehr wuchskräftiger Baum, 35 m, in
der Heimat bis 50 m hoch. In der Jugend pyramidal, später
mit unregelmäßiger, offener Krone (ein Gestaltwechsel,
wie er auch z. B. bei Taxodium oder Ginkgo zu
beobachten ist). Äste und Blätter zweireihig, gegenständig
(im Unterschied zu Taxodium und als einziger Fall innerhalb
der Taxodiaceae). Einhäusig (monöz). Weibliche Zapfen
endständig an Kurztrieben (häufig als "langgestielt"
beschrieben), bei der Reife fast kugelig, abwärts geneigt,
nach Entleerung der Zapfen samt dem Kurztrieb abfallend. Samen
meist zu 5 bis 6 pro Schuppe, abgeflacht, ringsum geflügelt.
Entdeckungsgeschichte
Ende 1941 bereiste Prof. T. KAN, ein Wissenschaftler der Uni
Nanking, das Grenzgebiet zwischen Ost-Szechuan und West-Hupeh
in China. Dort fand er eine einzelnen, ihm unbekannten Laub
abwerfenden Nadelbaum, von dem er aber kein Material mitnahm,
weil die Blätter aufgrund der Jahreszeit bereits alle
abgefallen waren. 1944 sammelte ein Forstmann aus Nanking
in diesem Gebiet Zweige und Zapfen, die man aber zunächst
für die Wasserfichte (Glyptostrobus pensilis)
hielt, ein ebenfalls Laub abwerfende Konifere aus West-China.
1945 erkannte Prof. C. H. WU aus Nanking in Abstimmung mit
den chinesischen Botanikern W.-CH. CHENG und H. H. HU, dass
es sich bei diesem Fund nicht um Glyptostrobus, sondern um
eine andere, eng mit den kalifornischen Mammutbäumen
verwandte Gattung handelte. Die taxonomische Identität
der Art wurde 1946 durch CHENG geklärt, die Art wurde
1948 wissenschaftlich beschrieben. CHENG hatte festgestellt,
dass es sich hierbei um eine bereits anhand von Fossilien
aus dem Pliozän Japans beschriebene Gattung handelte,
welche erst wenige Jahre zuvor vom japanischen Forscher MIKI
als solche erkannt worden war, eben die Gattung Metasequoia,
die in den Wäldern der Kreide und des Tertiäres
der nördlichen Hemisphäre eine große Rolle
gespielt hat. Zwar waren Arten aus dieser Gattung bereits
Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieben worden, doch hatte
man sie damals entweder zu Sequoia oder zu Taxodium
gestellt.
Die Entdeckung dieses "lebenden Fossils" wurde weltberühmt
und allein in den darauf folgenden 30 Jahren erschienen über
800 Publikationen, die sich mit dieser Art beschäftigten.
Vorkommen
China: Im Grenzgebiet zwischen Ost Setchuan und West-Hupeh
in einem Areal von ca. 800 qm. in einer Höhe von 700-1350
m NN.
Kultur
Im Januar 1948 gelangten erstmals Samen in die USA zu Prof.
E. D. MERRILL, dem Direktor des berühmten Arnold-Arboretum
in Massachusetts. Von dort wurden sie in alle Welt verschickt
und gelangten noch im gleichen Jahr auch nach Deutschland.
Obwohl der Urwelt-Mammutbaum aus einem ausgeglichenem Klima
mit ziemlich warmen Sommern und milden, fast frostfreien Gebiet
stammt, ist er erstaunlich winterhart. Gelegentlich auftretende
Schäden durch Spätfröste regenerieren sich
im Vergleich zu anderen Koniferen ungewöhnlich schnell.
Der Baum gedeiht auf fast allen Böden und ist leicht
durch Stecklinge zu vermehren, sowohl von jungem als auch
von ausgereiftem Holz. Er wird mittlerweile in weiten Teilen
der Erde erfolgreich kultiviert, sodass heutzutage weitaus
mehr Exemplare existieren, als die etwa 1000 Exemplare innerhalb
des rezenten Reliktareals.
Systematik
Die gegenständige Stellung der Zweige, Blätter und
Zapfenschuppen unterscheidet den Urwelt-Mammutbaum nicht nur
von den unzweifelhaft nahe verwandten Gattungen Sequoia
und Sequoiadendron, sondern auch von allen anderen
Arten der Familie der Taxodiaceae. Gleichzeitig gilt die Blattstellung
als Hauptmerkmal (wenn nicht sogar als einziges durchgängiges
Merkmal) zur Trennung der Taxodiaceae von den Cupressaceae.
Dieser Umstand bewegte HU undCHENG bei der Beschreibung der
Art dazu, sie in eine eigene Familie, Metasequoiaceae, zu
stellen, die "man auch als Vorfahre der Cupressaceae
betrachten solle". Von anderen wird Metasequoia
als eine weitere Stütze für die Argumentation betrachtet,
die Taxodiaceae und Cupressaceae zu vereinigen zu einer Familie
zu vereinigen.
Literatur
BOECHER, T. W: 1964: Morphology of the Vegetative Body of
Metasequoia glyptostroboides. Dansk Bot. Archiv 24.
BOERNER, F. 1955: Die Entdeckung der Metasequoia glyptostroboides,
fast ein Roman. Pflanze und Garten (Stuttgart), 1955/12.
DALLIMORE, W. 1948: Metasequoia glyptostroboides.
Quart. J. Forest. 42(3): 150-151.
FLORIN, R. 1952: On Metasequoia, living and fossile.
Bot. Notiser 1952(1): 1-29.
FULLING, E. H. 1976: Metasequoia - fossil and living.
An initial thirty-year (1941-1970) annotated and indexed bibliography
with an historical introduction. Bot. Rev. 42(3): 215-315
[hierin eine Zusammenstellung sämtlicher bis dahin bekannter
Literatur].
HIDA, M. 1962: The Systematic Position of Metasequoia.
Bot. Mag. (Tokyo) 75: 316-323.
HUNT, D. R. 1977: Metasequoia glyptostroboides. Curtiss
Bot. Mag. 181: Tab. 716.
MORLEY, T. 1948: On leaf arrangement on Metasequoia glyptostroboides.
Proc. Nat. Acad. Sci. USA 34: 574-578.
SCHLARBAUM, S. E., TSUCHIYA, T. & JOHNSON, L. C. 1984:
The chromosomes and relationships of Metasequoia and
Sequoia (Taxodiaceae): an update. J. Arnold Arb. 65:
251-254.
STERLING, C. 1949: Some features in the morphology of Metasequoia.
Amer. J. Bot. 36: 461-471.
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