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Botanischer Garten
Dr. Armin Jagel
 
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Botanischer Garten » Gymnospermen » Metasequoia glyptostroboides

 

 

Metasequoia glyptostroboides HU & W. C. CHENG - Urwelt-Mammutbaum, Chinesischer Rotholzbaum

 

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Name
Der vom Erstbeschreiber MIKI, gewählte Zusatz "meta" vor die bereits bekannte Gattung Sequoia (zu Erklärung dieses Namens s. dort) wird als "verändert", "verwandt" oder "ähnlich" verstanden. Eine Erklärung für diesen Namen gibt MIKI selbst nicht. Über das Epitheton gab es einige Überlegungen, zunächst zog man "sinica" (= chinesisch) in Betracht oder "viva". Dann entschied man sich für "glyptostroboides", also ähnlich Glyptostrobus,der zweiten Laub abwerfenden Konifere Chinas, mit der der Urwelt-Mammutbaum zunächst verwechselt worden war.
Die deutsche Bezeichnung als Urwelt-Mammutbaum ist unglücklich, da der Baum mit einer Höhe von 35-50 m und 2 m Stammdurchmesser nicht annähernd den Werten nahekommt, die eng verwandten Mammutbäume Kaliforniens (Sequoiadendron giganteum, Sequoia sempervirens) erreichen. Daher gab es Bestrebungen, den Namen "Chinesisches Rotholz" zu etablieren, in Anlehnung an das den Mammutbäumen ähnlich gefärbte Holz. In ihrer Heimat wird die Art "shui-hsa" genannt, was übersetzt etwa mit Wasser-Lärche oder Wasser-Fichte übersetzt werden kann.

Morphologie
Laub abwerfender, sehr wuchskräftiger Baum, 35 m, in der Heimat bis 50 m hoch. In der Jugend pyramidal, später mit unregelmäßiger, offener Krone (ein Gestaltwechsel, wie er auch z. B. bei Taxodium oder Ginkgo zu beobachten ist). Äste und Blätter zweireihig, gegenständig (im Unterschied zu Taxodium und als einziger Fall innerhalb der Taxodiaceae). Einhäusig (monöz). Weibliche Zapfen endständig an Kurztrieben (häufig als "langgestielt" beschrieben), bei der Reife fast kugelig, abwärts geneigt, nach Entleerung der Zapfen samt dem Kurztrieb abfallend. Samen meist zu 5 bis 6 pro Schuppe, abgeflacht, ringsum geflügelt.

Entdeckungsgeschichte
Ende 1941 bereiste Prof. T. KAN, ein Wissenschaftler der Uni Nanking, das Grenzgebiet zwischen Ost-Szechuan und West-Hupeh in China. Dort fand er eine einzelnen, ihm unbekannten Laub abwerfenden Nadelbaum, von dem er aber kein Material mitnahm, weil die Blätter aufgrund der Jahreszeit bereits alle abgefallen waren. 1944 sammelte ein Forstmann aus Nanking in diesem Gebiet Zweige und Zapfen, die man aber zunächst für die Wasserfichte (Glyptostrobus pensilis) hielt, ein ebenfalls Laub abwerfende Konifere aus West-China. 1945 erkannte Prof. C. H. WU aus Nanking in Abstimmung mit den chinesischen Botanikern W.-CH. CHENG und H. H. HU, dass es sich bei diesem Fund nicht um Glyptostrobus, sondern um eine andere, eng mit den kalifornischen Mammutbäumen verwandte Gattung handelte. Die taxonomische Identität der Art wurde 1946 durch CHENG geklärt, die Art wurde 1948 wissenschaftlich beschrieben. CHENG hatte festgestellt, dass es sich hierbei um eine bereits anhand von Fossilien aus dem Pliozän Japans beschriebene Gattung handelte, welche erst wenige Jahre zuvor vom japanischen Forscher MIKI als solche erkannt worden war, eben die Gattung Metasequoia, die in den Wäldern der Kreide und des Tertiäres der nördlichen Hemisphäre eine große Rolle gespielt hat. Zwar waren Arten aus dieser Gattung bereits Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieben worden, doch hatte man sie damals entweder zu Sequoia oder zu Taxodium gestellt.
Die Entdeckung dieses "lebenden Fossils" wurde weltberühmt und allein in den darauf folgenden 30 Jahren erschienen über 800 Publikationen, die sich mit dieser Art beschäftigten.

Vorkommen
China: Im Grenzgebiet zwischen Ost Setchuan und West-Hupeh in einem Areal von ca. 800 qm. in einer Höhe von 700-1350 m NN.

Kultur
Im Januar 1948 gelangten erstmals Samen in die USA zu Prof. E. D. MERRILL, dem Direktor des berühmten Arnold-Arboretum in Massachusetts. Von dort wurden sie in alle Welt verschickt und gelangten noch im gleichen Jahr auch nach Deutschland.
Obwohl der Urwelt-Mammutbaum aus einem ausgeglichenem Klima mit ziemlich warmen Sommern und milden, fast frostfreien Gebiet stammt, ist er erstaunlich winterhart. Gelegentlich auftretende Schäden durch Spätfröste regenerieren sich im Vergleich zu anderen Koniferen ungewöhnlich schnell. Der Baum gedeiht auf fast allen Böden und ist leicht durch Stecklinge zu vermehren, sowohl von jungem als auch von ausgereiftem Holz. Er wird mittlerweile in weiten Teilen der Erde erfolgreich kultiviert, sodass heutzutage weitaus mehr Exemplare existieren, als die etwa 1000 Exemplare innerhalb des rezenten Reliktareals.

Systematik
Die gegenständige Stellung der Zweige, Blätter und Zapfenschuppen unterscheidet den Urwelt-Mammutbaum nicht nur von den unzweifelhaft nahe verwandten Gattungen Sequoia und Sequoiadendron, sondern auch von allen anderen Arten der Familie der Taxodiaceae. Gleichzeitig gilt die Blattstellung als Hauptmerkmal (wenn nicht sogar als einziges durchgängiges Merkmal) zur Trennung der Taxodiaceae von den Cupressaceae. Dieser Umstand bewegte HU undCHENG bei der Beschreibung der Art dazu, sie in eine eigene Familie, Metasequoiaceae, zu stellen, die "man auch als Vorfahre der Cupressaceae betrachten solle". Von anderen wird Metasequoia als eine weitere Stütze für die Argumentation betrachtet, die Taxodiaceae und Cupressaceae zu vereinigen zu einer Familie zu vereinigen.

Literatur
BOECHER, T. W: 1964: Morphology of the Vegetative Body of Metasequoia glyptostroboides. Dansk Bot. Archiv 24.
BOERNER, F. 1955: Die Entdeckung der Metasequoia glyptostroboides, fast ein Roman. Pflanze und Garten (Stuttgart), 1955/12.
DALLIMORE, W. 1948: Metasequoia glyptostroboides. – Quart. J. Forest. 42(3): 150-151.
FLORIN, R. 1952: On Metasequoia, living and fossile. Bot. Notiser 1952(1): 1-29.
FULLING, E. H. 1976: Metasequoia - fossil and living. An initial thirty-year (1941-1970) annotated and indexed bibliography with an historical introduction. Bot. Rev. 42(3): 215-315 [hierin eine Zusammenstellung sämtlicher bis dahin bekannter Literatur].
HIDA, M. 1962: The Systematic Position of Metasequoia. – Bot. Mag. (Tokyo) 75: 316-323.
HUNT, D. R. 1977: Metasequoia glyptostroboides. Curtis’s Bot. Mag. 181: Tab. 716.
MORLEY, T. 1948: On leaf arrangement on Metasequoia glyptostroboides. – Proc. Nat. Acad. Sci. USA 34: 574-578.
SCHLARBAUM, S. E., TSUCHIYA, T. & JOHNSON, L. C. 1984: The chromosomes and relationships of Metasequoia and Sequoia (Taxodiaceae): an update. J. Arnold Arb. 65: 251-254.
STERLING, C. 1949: Some features in the morphology of Metasequoia. Amer. J. Bot. 36: 461-471.

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Letzte Änderung: 03.02.2003 | Ansprechpartner: Armin Jagel